Als Kooperationspartner hatte die Zeitschrift Theater der Zeit, repräsentiert von Harald Müller, an der Auslobung des Grabbe-Preises an Henriette Dushe mitgewirkt. In der aktuellen Ausgabe für März 2016 kritisiert Joachim Tornau die Birkenwald-Uraufführung in Detmold (16.01.2016). In der kommenden Ausgabe wird ein Interview mit der Autorin hinzukommen, welches wir dank der sehr freundlichen Genehmigung von Theater der Zeit hier auf grabbe.de zur Verfügung stellen und selbst besprechen werden.

Für Tornau zeichnet sich der Birkenwald-Dramentext durch „inhaltliche wie formale Sperrigkeit“ aus. In dieser Hinsicht habe die Inszenierung von Regisseur Malte Kreutzfeldt das Stück in seiner Bühnengeschmeidigkeit verbessert. Die Aufführung identifiziere als thematischen Kern des Stückes ein „Plädoyer für das Recht auf Schwermut, auf Melancholie und … Depression“. Insofern sei das von Kreutzfeldt leitmotivisch eingeflochtene Schubert-Lied Die Nacht auch nur in einem möglichen Sinne zu verstehen: „Die ersehnte Nacht ist der Tod“. Dementsprechend zeige das Ende des Stückes eindeutig den Selbstmord der jungen Frau. Allerdings widerspricht sich Tornau in dieser klaren Deutungsart, wenn er einräumt: „nicht drei verschiedene Frauen sind es, sondern dreimal dieselbe“. Die unwirkliche Birkenwaldkulisse, die verschwimmenden Grenzen zwischen den Figuren und andere Elemente zeigen die dunkelmythische, allegorische Seite des Stückes. Tornau äußert Zweifel, ob das Drama als „Analyse von Depressionen wirklich trägt“. Dem ließe sich entgegenhalten, der Birkenwald sei sich nicht auf analytische Intentionen reduzierbar. In der pragmatisch erscheinenden Skizzierung von Infarkt und chronologischer Durchforschung der Traurigkeit leuchtet vielmehr die Reflexion der eigentümlichen Tätigkeit von Poesie überhaupt auf: Das Unsagbare sagbar zu machen.